Von Würstchen bis Dürer: Wie deutsche Städte ihre Ampeln zum Kulturgut machen
Franka KallertWenn es grün ist, hoppeln Sie weiter - spezielle Ampelmotive im Aufwind - Von Würstchen bis Dürer: Wie deutsche Städte ihre Ampeln zum Kulturgut machen
Deutsche Städte verleihen ihren Fußgängerampeln lokalen Charme
Statt der üblichen grünen und roten Figuren zeigen Ampeln in einigen Städten nun regionale Symbole – von Würstchen bis zu berühmten Künstlern. Der Trend hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen, mindestens acht Städte setzen mittlerweile auf diese kreative Lösung.
Besonders in Bayern ist die Idee beliebt, obwohl der Freistaat eigentlich standardisierte Designs bevorzugt. Städte wie München, Dachau und Hof haben kulturelle Motive eingeführt, oft mit Billigung der regionalen Behörden. Andere, etwa Nürnberg, handelten einfach, ohne vorher um Erlaubnis zu bitten.
Den Anfang machte Mainz, wo die Idee thematischer Ampeln erstmals Aufsehen erregte. Bis 2019 hatte die Stadt elf Ampeln mit den Mainzelmännchen, den beliebten TV-Maskottchen des ZDF, aufgestellt – viele davon in der Nähe des ZDF-Sitzes im Stadtteil Lerchenberg. Aus einer einfachen Fußgängerampel wurde so ein lokales Wahrzeichen.
Auch Augsburg zog nach und brachte seinen Kasperl an die Ampeln – allerdings erst nach einer Sondergenehmigung der Regierung von Schwaben. Nürnberg ging noch einen Schritt weiter: Im Februar 2026 enthüllte die Stadt eine Ampel mit Albrecht Dürers Feldhasen – ganz ohne Rücksprache mit übergeordneten Stellen. Die Begründung: Die Stadt trage selbst die Verantwortung für die Funktionsfähigkeit der Anlage und mögliche Vorfälle.
Hof hatte zunächst Widerstand gegen sein Wärschtlamo-Design zu überwinden, eine Hommage an den berühmten Würstchenverkäufer der Stadt. Die Behörden lehnten den Vorschlag zunächst aus Verkehrssicherheitsbedenken ab, gaben später aber doch grünes Licht. Bald soll die Ampel in Betrieb gehen und den Straßen der Stadt eine weitere skurrile Note verleihen.
Anderswo sind die Entwürfe vielfältig: Friedberg ehrt Elvis Presley, Trier zeigt Karl Marx. In Saarbrücken leuchten die Saarlodri, eine Figur aus dem Bergbau, und Hameln erinnert mit seinen Ampeln an den Rattenfänger. Hamburg wird im Januar 2026 Ernie und Bert aus der Sesamstraße einführen. Deggendorf wiederum setzte auf eine Frau, die Knödel wirft.
Bayern hat den Trend besonders begeistert aufgenommen. München verfügt mittlerweile über drei Ampeln mit dem Pumuckl, Straubing zeigt den Bruder Straubinger, und in Dachau tragen die Figuren traditionelle Tracht. Die Stadt plant weitere Motive – die positive Resonanz der Bürger gibt ihr recht. Jede Schablone und jedes Design kostet rund 300 Euro, ein geringer Preis für das, was viele als Stärkung der lokalen Identität sehen.
Das bayerische Innenministerium betont zwar, dass standardisierte Ampeln vorzuziehen seien. Die endgültige Entscheidung überlasse man jedoch den Kommunen – vorausgesetzt, sie stimmen sich mit den regionalen Behörden ab. Diese Flexibilität ermöglicht es den Städten, zu experimentieren: mal mit offizieller Rückendeckung, mal auf eigene Faust.
Themenampeln werden in Deutschland immer häufiger. Städte wie Mainz, Nürnberg und Dachau nutzen sie, um lokale Kultur zu feiern – oft zu minimalen Kosten. Während manche Regionen eine Genehmigung verlangen, handeln andere einfach.
Mit weiteren Entwürfen in Planung zeigt der Trend keine Anzeichen von Erschöpfung. Fürs Erste können Fußgänger in diesen Städten die Straße überqueren – begleitet von einem Stück regionalen Stolzes, das ihnen den Weg erleuchtet.






