Pro-feministischer Kongress in Berlin: Streit um Männlichkeit und Medienfreiheit
Claudius StadelmannPro-feministischer Kongress in Berlin: Streit um Männlichkeit und Medienfreiheit
Pro-feministischer Kongress in Berlin: Zwischen neuer Männlichkeit und Medienkonflikten
Am Wochenende fand in Berlin ein pro-feministischer Kongress statt, der sich mit dem Wandel traditioneller Männlichkeitsbilder beschäftigte. Veranstaltungsort war das Mehringhof in Kreuzberg, wo unter anderem Workshops zu Männlichkeitskritik und dem Aufstieg antifeministischer Bewegungen angeboten wurden. Doch es kam zu Spannungen, als die Organisatoren versuchten, einer Journalistin die Berichterstattung über die Diskussionen zu verwehren.
Im Mittelpunkt des Kongresses stand ein Kompaktkurs zur Männlichkeitskritik, geleitet von Prof. Dr. Mart Busche von der Berliner Alice-Salomon-Hochschule. Er erläuterte, dass sich kritische Männergruppen erstmals in den 1970er-Jahren formierten – als Reaktion auf die Forderung von Frauen, dass Männer feministische Arbeit aktiv mitgestalten sollten. Damals begannen Männer, die schädlichen Auswirkungen des Patriarchats auch auf ihr eigenes Leben zu erkennen.
Busche skizzierte, wie sich Männlichkeit seitdem verändert hat: Traditionelle Ideale von Stärke und emotionaler Kontrolle wichen zunehmend Werten wie Kommunikation, Empathie und emotionaler Offenheit. Dieser Wandel vollzog sich von den Bewusstseinsgruppen der 1970er über die "Metrosexualität" der 1990er bis hin zu androgyneren und feminineren Ausdrucksformen in den 2010er-Jahren. Parallel dazu entstanden jedoch online "Männerrechts"-Communities – die sogenannte Manosphere –, die Frauen als Bedrohung darstellen und Männer verspotten, die sich von starren Männlichkeitsnormen lösen.
Ein Workshop widmete sich globalen Bestrebungen, traditionelle Männlichkeit neu zu behaupten. Dabei wurde diskutiert, wie Antifeminismus oft als Einstieg in weitere Radikalisierung dient. Doch nicht alle Teilnehmer waren sich einig, wie mit Medienumgang umgegangen werden sollte. Die anonym gebliebenen Organisatoren versuchten, der Journalistin den Zutritt zu verwehren, und beschwerten sich später per E-Mail bei der Chefredakteurin der betreffenden Website. Aufzeichnungen aus den Veranstaltungen durften nicht verwendet werden.
Einige Teilnehmer kritisierten das Vorgehen der Organisatoren. Einer entschuldigte sich dafür, die Journalistin in einer von Männern dominierten Runde nicht sofort unterstützt zu haben. Ein anderer argumentierte, dass Berichterstattung wichtige Diskurse befördern könne, und bezeichnete Journalismus als "Geschenk" für die kritische Auseinandersetzung.
Der Kongress zeigte sowohl Fortschritte als auch Gegenbewegungen bei der Neudefinition von Männlichkeit. Während die einen offenen Dialog begrüßten, lehnten andere mediale Transparenz ab. Die Namen der Organisatoren blieben unbekannt – und damit auch die Frage, wie offen künftige Debatten geführt werden.






