Kunst gegen Sparzwang: Warum Senftenbergs Theaterchef Daniel Ris vorzeitig gehen muss
Katarina OrtmannKunst gegen Sparzwang: Warum Senftenbergs Theaterchef Daniel Ris vorzeitig gehen muss
Das Neue Theater Senftenberg steht wieder im regionalen Fokus – wie einst zu DDR-Zeiten. Diesmal rührt die Aufmerksamkeit von der überraschenden vorzeitigen Beendigung des Vertrages mit dem künstlerischen Leiter Daniel Ris. Seine Abberufung hat eine Debatte über Finanzierung, künstlerische Freiheit und politische Spannungen in der Region entfacht.
Im März 2026 gaben Stadt und Landkreis bekannt, dass Ris' Vertrag nicht verlängert werde – offiziell wegen finanzieller Engpässe und struktureller Herausforderungen. Doch die genauen Gründe bleiben umstritten. Spekulationen reichen von Sparmaßnahmen bis zu Konflikten über seine klare Haltung gegen rechtsextreme Strömungen.
Ris hatte 2022 die künstlerische Leitung übernommen, mit einem auf fünf Jahre angelegten Vertrag bis 2027. Unter seiner Führung setzte das Theater auf mutige Neuerungen, darunter aufsehenerregende Saisoneröffnungen an historischen Stätten, die die Zuschauerzahlen und Ticketverkäufe steigerten. Die Eigenmittel des Theaters wuchsen, und sein regionaler Einfluss erlebte eine Renaissance.
Doch im März 2026 verkündeten die Stadt Senftenberg und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz das Aus für Ris' Amtszeit. Als Begründung führten sie chronische Unterfinanzierung an: Bei einem Gesamtbudget von 6,5 Millionen Euro klaffte ein jährliches Defizit von 1,2 Millionen Euro. Steigende Energiekosten und Inflation verschärften die Lage, während Personalkosten 70 Prozent der Ausgaben verschlangen. Die offizielle Stellungnahme betonte die Notwendigkeit von Einsparungen und einer "neuen künstlerischen Ausrichtung" – allerdings ohne zusätzliche öffentliche Mittel.
Bürgermeister Andreas Pfeiffer (CDU) räumte zwar Ris' künstlerische Verdienste ein, deutete aber "Einstellungsprobleme" in einer Region an, in der die rechtspopulistische AfD an Einfluss gewinnt. Unterstützer Ris' vermuten, dass seine Entlassung mit seiner offenen Ablehnung von Extremismus und seinem unkonventionellen Führungsstil zusammenhängt. Kritiker werfen ihm hingegen mangelnde Kooperationsbereitschaft und Managementfehler vor – mit angeblichen finanziellen Schäden in Höhe von 250.000 Euro während seiner Amtszeit.
Trotz der Kontroverse gibt sich Ris kämpferisch. Zwar fühlt er sich "faktisch entlassen", doch statt sich zu beugen, bewirbt er sich anderweitig – während er parallel seine vierte Spielzeit am Theater vorbereitet. Seine jüngste Produktion, eine satirische Abrechnung mit der DDR-Sportkultur, thematisierte Doping, militarisiertes Training und den Preis von Leistungsdenken – damals wie heute. Die Inszenierung, eine Mischung aus Unterhaltung und scharfer Gesellschaftskritik, löste starke Reaktionen beim Publikum aus.
Während Ris' Zukunft ungewiss ist, wollen die lokalen Behörden die Stelle des künstlerischen Leiters neu ausschreiben. Die nächsten Schritte des Theaters werden davon abhängen, ob es gelingt, den finanziellen Überlebenskampf mit dem wiedererlangten kulturellen Einfluss in Einklang zu bringen.
Der Streit um Daniel Ris offenbart tiefere Konflikte zwischen künstlerischem Anspruch, politischen Druckmitteln und ökonomischen Zwängen. Das Neue Theater Senftenberg steht nun vor einem Führungswechsel – und muss gleichzeitig seine neu gewonnene Strahlkraft in der Region bewahren.
Mit der Suche nach einem Nachfolger beginnt eine Phase der Unsicherheit: Werden die Finanzlücken geschlossen und die politischen Gräben überbrückt? Ris selbst blickt unterdessen nach vorn – und hinterlässt ein Theater, das sich zurück auf die kulturelle Bühne gekämpft hat.






