Kemptens historischer Machtwechsel: Freie Wähler brechen 30-jährige CSU-Herrschaft
Katarina OrtmannKemptens historischer Machtwechsel: Freie Wähler brechen 30-jährige CSU-Herrschaft
Kempten wählt nach 30 Jahren erstmals einen neuen Oberbürgermeister
Christian Schoch von den Freien Wählern hat die Stichwahl mit 55 Prozent der Stimmen gewonnen. Sein Sieg beendet die jahrzehntelange Vorherrschaft der Christlich-Sozialen Union (CSU) in der Stadt.
Die CSU stellte seit 1996 ununterbrochen den Oberbürgermeister von Kempten, als Ulrich Netzer die Wahl gewann. Er blieb bis 2014 im Amt, bevor er die Nachfolge an Thomas Kiechle übergab – den Sohn des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Ignaz Kiechle. Unter Netzers Führung erreichte die CSU in den 1990er-Jahren regelmäßig 40 bis 50 Prozent der Wählerstimmen.
Doch im Laufe der Zeit verschob sich das politische Gefüge der Stadt. Bis 2024 sank die Unterstützung für die CSU auf 28,5 Prozent, während die Grünen auf 25,1 Prozent kletterten – ein Anstieg von etwa 10 Prozent in den frühen 2000er-Jahren. Die Sozialdemokraten (SPD) fielen auf 15,2 Prozent zurück, die Freien Wähler (FW) blieben stabil bei rund 20 Prozent. Zudem zog die rechtspopulistische AfD mit 9,8 Prozent der Stimmen in den Stadtrat ein.
An der jüngsten Stichwahl beteiligten sich nur 43,6 Prozent der Wahlberechtigten. Schoch setzte sich gegen Amtsinhaber Kiechle durch, der auf 45 Prozent kam. Das Ergebnis unterstreicht den Wandel Kemptens – weg von der Dominanz einer einzigen Partei hin zu einem fragmentierteren politischen Umfeld.
Schochs Sieg markiert einen deutlichen Bruch mit der Vergangenheit der Stadt. Nach Jahrzehnten unter CSU-Führung übernehmen nun die Freien Wähler die Führung. Die Entwicklung spiegelt einen größeren Trend in der Kommunalpolitik wider, bei dem Wähler zunehmend kleinere Parteien und neue Bewegungen unterstützen.






