Florentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Stuttgarter Staatsoper
Franka KallertFlorentina Holzingers Sancta polarisiert erneut an der Stuttgarter Staatsoper
Florentina Holzingers umstrittene Opernperformance Sancta kehrt an die Staatsoper Stuttgart zurück
Die Produktion, die durch provokante Themen und eine intensive Inszenierung bekannt wurde, ist am 3., 4. und 5. Oktober sowie am 1. und 2. November zu sehen. Während die Tickets für die November-Vorstellungen bereits ausverkauft sind, gibt es für die Oktober-Termine noch Plätze.
Ausgangspunkt für Sancta ist Paul Hindemiths Werk Sancta Susanna aus dem Jahr 1921 – eine Komposition, die einst wegen angeblicher Gotteslästerung verboten wurde. Holzingers Neuinterpretation geht noch einen Schritt weiter und lotet die Grenzen weiblicher Emanzipation innerhalb der christlichen Geschichte aus. Seit der Uraufführung 2017 in Wien, bei der explizite Nacktheit, simulierte Selbstverletzung und blasphemische Elemente zu Protesten, Demonstrationen und sogar juristischen Beschwerden wegen Pornografie- und Jugendschutzverstößen führten, sorgt die Performance für Aufsehen und Kontroversen.
Bei der Stuttgarter Premiere kam es trotz vorheriger Trigger-Warnung zu 18 medizinischen Notfällen. Dirigentin Marit Strindlund, die aus dem experimentellen Musiktheater kommt, bezeichnet Sancta als bahnbrechende Form der Bühnenkunst. Die Produktion entwickelt sich durch einen ausgedehnten Probenprozess, bei dem bis zur Premiere neue Elemente hinzukommen.
Auch Gastspiele an renommierten Häusern wie der Ruhrtriennale, den Salzburger Festspielen oder der Oper Frankfurt lösten Empörung aus. In Frankfurt stürmten Zuschauer sogar die Bühne, sodass die Vorstellung vorzeitig beendet werden musste. Die Kritik bleibt gespalten: Einige feiern den radikalen Ansatz der Körperkunst, andere verwerfen die Inszenierung als geschmacklos oder reißerisch.
Mit der Wiederaufnahme von Sancta an der Staatsoper Stuttgart setzt das Werk sein Publikum weiterhin mit einer mutigen Darstellung von Frauen heraus, die sich ihren Platz in der Religionsgeschichte zurückerobern. Da für Oktober noch begrenzte Tickets verfügbar sind, wird die Produktion erneut für Gesprächsstoff sorgen. Die Mischung aus Provokation und künstlerischem Anspruch macht Sancta zu einem der meistdiskutierten Werke der zeitgenössischen Performancekunst.






