Deutsche Industrie verliert dramatisch an globaler Wettbewerbsfähigkeit – die Gründe
Franka KallertIndustrie sieht Wettbewerbsfähigkeit auf Rekordtief - Deutsche Industrie verliert dramatisch an globaler Wettbewerbsfähigkeit – die Gründe
Deutsche Industrie kämpft um Anschluss an globale Konkurrenten
Ein Rekordwert von 36,6 Prozent der Unternehmen berichtet mittlerweile von einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Betrieben außerhalb der EU. Dieser deutliche Anstieg – im Juli waren es noch 24,7 Prozent – unterstreicht die wachsenden Sorgen über strukturelle Schwächen in der deutschen Wirtschaft.
Die Energiekrise der Jahre 2022–2023 trieb die Kosten auf extreme Höhen: Die Gaspreise kletterten auf bis zu 0,40 Euro pro Kilowattstunde, die Strompreise stiegen noch stärker. Zwar sind die Großhandelspreise für Energie seitdem gesunken – für 2026 werden Stromkosten von 0,08 bis 0,12 Euro und Gaspreise von 0,12 bis 0,25 Euro prognostiziert –, doch regulatorische Änderungen und politische Kurswechsel belasten die Unternehmen weiterhin.
Besonders betroffen sind energieintensive Branchen. Über die Hälfte der Chemieunternehmen gibt an, an Boden zu verlieren. Im Maschinenbau sieht fast jedes zweite Unternehmen (40 Prozent) seine Wettbewerbsposition schwinden. Selbst im europäischen Vergleich fällt Deutschland zurück: Der Anteil der Betriebe, die einen Rückgang ihrer Wettbewerbsfähigkeit verzeichnen, stieg von 12 auf 21,5 Prozent.
Die jüngsten politischen Weichenstellungen der Regierung verschärfen die Probleme zusätzlich. So wurden die Fördergelder für Wärmepumpen drastisch gekürzt – in Deutschland von bis zu 28.000 Euro im Vergleich zu 14.000 Euro in Großbritannien –, während gleichzeitig Gas als Alternative zu Solarenergie beworben wird. Rückschritte bei Regularien, wie die Abschwächung des Heizungsgesetzes und die Einführung einer Biogas-Quote, haben die Preise weiter in die Höhe getrieben. Allein in diesem Jahr sind davon 5,3 Millionen Haushalte betroffen.
Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen, sieht in tiefgreifenden strukturellen Problemen die Ursache für die Misere. Ohne grundlegende Reformen werde der industrielle Niedergang Deutschlands weiter voranschreiten, warnt er. Währenddessen setzt die USA ihre kräftige Expansion fort – begünstigt durch niedrige Gaspreise –, und Chinas Aussichten bleiben ungewiss. Europa, einschließlich Frankreich, erlebt eine moderate Erholung, da sich die Energiepreise stabilisieren – doch Deutschlands Schwierigkeiten stechen hervor.
Die aktuellen Zahlen zeigen einen klaren Trend: Die deutsche Industrie verliert ihre Wettbewerbsfähigkeit schneller als je zuvor. Angesichts weiterhin volatiler Energiekosten und neuer politischer Hürden steht die Wirtschaft vor einer schweren Bewährungsprobe. Ohne entscheidende Kurskorrekturen droht die Kluft zu den globalen Konkurrenten weiter zu wachsen.






