"Debritz" am Badischen Staatstheater: Ein Dorf zwischen Verzweiflung und Explosion
Franka Kallert"Debritz" am Badischen Staatstheater: Ein Dorf zwischen Verzweiflung und Explosion
Premiere am Badischen Staatstheater Karlsruhe: „Debritz“ – ein Gesellschaftsdrama zwischen Landflucht und Klimawandel
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat mit Debritz ein neues Drama Premiere gefeiert, das vom fiktiven Dorf Debritz handelt. Der Stückeschreiber Kaleb Erdmann setzt sich darin mit gesellschaftlichen Themen auseinander – vom Stadt-Land-Graben bis zum Klimawandel. Die Inszenierung besticht durch ein lebendiges Ensemble und eine markante Bühnenbildgestaltung.
Erdmann, 1991 in Witten geboren, entwarf mit Debritz ein gleichnamiges Stück, das die Nöte strukturschwacher Regionen in Deutschland in den Fokus rückt. Der Schauplatz, das fiktive Debritz, kämpft mit Ernteausfällen, schrumpfender Bevölkerung und maroder Infrastruktur. Die Handlung dreht sich um Figuren wie einen überforderten Bürgermeister, verbitterte Fabrikarbeiter und eine wohlhabende Großstädterin auf Tourismus-Trip.
Das Bühnenbild der Ausstatterin Hella Prokoph zeigt Debritz als triste, braune Landschaft mit kristallinen Wucherungen. Besonders hervor stechen im Ensemble Peggy und Maik – gespielt von Rebecca Seidel und Jannik Süsselbeck – als einzige voll ausgearbeitete Charaktere. Ihre Dynamik trägt maßgeblich die Handlung und gipfelt in einem grotesken Finale, in dem sie das Dorf in die Luft jagen.
Während die Uraufführung von der spielerischen Energie des Ensembles profitierte, kritisierten Rezensenten Schwächen im Drehbuch: Klischeehafte Figuren, mangelnde emotionale Tiefe und wenig intellektuelle Feinheit. Dennoch zieht die Produktion am Badischen Staatstheater Aufmerksamkeit auf sich – dank mutiger Themen und eines eindrucksvollen visuellen Stils. Mit beißendem Spott nimmt sie den Niedergang ländlicher Regionen und gesellschaftliche Spannungen unter die Lupe. Die Stärken der Inszenierung liegen zweifellos in Regie und Schauspiel, auch wenn das Drehbuch hinter den Möglichkeiten zurückbleibt.
