30 March 2026, 08:21

Wie Neslihan Arol im Berliner Bavul Café eine vergessene osmanische Tradition neu erfindet

Ein Mann in einem weißen Hemd und braunen Hosen steht auf einer Bühne und hält ein Mikrofon in der Hand, während er eine Menge anspricht. Im Hintergrund ist ein pinker Banner mit der Aufschrift "Berlin as Fuck" zu sehen.

Wie Neslihan Arol im Berliner Bavul Café eine vergessene osmanische Tradition neu erfindet

Neslihan Arol lässt im Berliner Kreuzberg eine jahrhundertealte osmanische Tradition wieder aufleben. Im Bavul Café führt sie Meddah auf – ein Ein-Personen-Erzähltheater, das einst eine Männerdomäne war. Ihre Version ist lebendig, mehrsprachig und kompromisslos feministisch.

Arols Weg auf die Bühne war alles andere als geradlinig. Ihr Vater hielt sie vom Schauspiel ab, also studierte sie zunächst Chemieingenieurwesen. Später wechselte sie zur Theaterwissenschaft und schloss einen Master mit Schwerpunkt auf Clownerie und feministische Performance ab.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

2014 kam sie nach Berlin, um sich mit Komödie, Clownskunst, Stand-up und Meddah zu beschäftigen – ein Projekt, das acht Jahre in Anspruch nahm. Da das klassische Theater Frauen selten komische Rollen bot, entdeckte sie die Clownskunst als feministische Ausdrucksform. Meddah, verwurzelt in schamanischen Traditionen und islamischer Dichtung, wurde für sie zum Mittel, das Erzählen aus weiblicher Perspektive zurückzuerobern.

Auf der Bühne verkörpert Arol Dutzende Figuren und wechselt mühelos zwischen Deutsch, Türkisch und Englisch. Neben ihr steht ein Teelicht – Symbol für die Menschlichkeit der Meddah-Künstler:innen. Wenn sie es am Ende ausbläst, endet die Erzählsession.

Ihre Aufführung verbindet Humor mit Politik, stellt Traditionen infrage und hält die Kunstform gleichzeitig am Leben. Was einst eine Männerdomäne in osmanischen Kaffeehäusern war, trägt heute ihre Stimme – scharf, verspielt und bewusst modern.

Arols Arbeit belebt Meddah nicht nur neu, sondern formt es für ein heutiges Publikum um. Die Flamme des Teelichts erlischt zwar am Ende jeder Vorstellung, doch ihre feministische, mehrsprachige Interpretation sorgt dafür, dass die Tradition heller strahlt als je zuvor. Im Bavul Café in Berlin findet sich heute eine Erzählkunst, die ebenso unterhält wie aufklärt.

Quelle