Warum Österreicher aus Fluchen eine Kunstform machen – und wie Freundlichkeit sie herausfordert
Claudius StadelmannWarum Österreicher aus Fluchen eine Kunstform machen – und wie Freundlichkeit sie herausfordert
Österreicher und ihre besondere Beziehung zu Sprache und Frust
Die Österreicher pflegen ein einzigartiges Verhältnis zu Sprache und Verärgerung. Sie kennen über 50 farbenfrohe Bezeichnungen für „Idiot“ – von „Dodel“ bis „Nudelaug". Für viele ist das Fluchen so unverzichtbar wie eine Stromquelle oder eine Form von Yoga.
In einer neuen kulturkritischen Betrachtung über Österreich fällt auf, wie Einheimische langsame Autofahrer auf Autobahnen auf seltsame Weise beflügelnd finden. Den Effekt vergleichen sie mit einem koffeinfreien Energieschub. Der Text stellt zudem Österreichs reiche Schimpfwortkultur den über 50 isländischen Begriffen für Schnee gegenüber.
Angesichts dieser sprachlichen Intensität schlägt die Autorin einen mentalen Wandel vor. Statt Selbstkritik will sie künftig den Begriff „kognitiver Minimalist“ verwenden, wenn ihr Fehler unterlaufen. Anstelle von Ärger plant sie, Menschen für kleine Unannehmlichkeiten zu danken. Selbst das Buch „Radikale Freundlichkeit“ würde sie in Österreich verbieten – aus Sorge, seine Botschaft könnte mit lokalen Gepflogenheiten kollidieren.
Ihr Ansatz geht noch weiter: Sie plädiert dafür, Alltagsärger mit Freundlichkeit und Liebe statt mit Verdruss zu begegnen. Ihr Plan ist klar: Beleidigungen durch Selbstmitgefühl und Dankbarkeit ersetzen. Ziel ist es, Verärgerung in Wertschätzung zu verwandeln. Diese kleine Veränderung, so ihre Hoffnung, könnte den Umgang mit dem Alltag in einer Kultur prägen, die lebendige Sprache liebt.






