Warum Deutschland trotz Digitalisierung noch 5.333 Faxgeräte nutzt – und wer dagegen kämpft
Katarina OrtmannWarum Deutschland trotz Digitalisierung noch 5.333 Faxgeräte nutzt – und wer dagegen kämpft
Deutschland setzt nach wie vor stark auf Faxgeräte für behördliche Abläufe. Allein die Berliner Senatverwaltung betreibt noch 5.333 dieser Geräte, bei 189 Verfahren ist ihre Nutzung sogar zwingend vorgeschrieben. Dazu gehören etwa Anträge auf Bestattungsvollmachten oder Wohnberechtigungsscheine.
Die anhaltende Abhängigkeit von Faxsystemen unterstreicht die Komplexität der deutschen Bürokratie. So führen etwa 16 verschiedene Bauvorschriften zu Ineffizienzen und Verzögerungen. Gleichzeitig erfüllt die Bürokratie aber auch Schutzfunktionen – etwa wenn sie den Bau einer Güllegrube in der Nähe eines Trinkwasserbrunnens verhindert, um die öffentliche Gesundheit zu sichern.
Kritiker monieren jedoch, dass übermäßige Regulierung Fortschritt behindert. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), eine Lobbyorganisation, eröffnete sogar ein „Bürokratie-Museum“, um gegen deutsche und EU-weite Lieferkettengesetze zu protestieren. Friedrich Merz, Gründungsmitglied des INSM-Förderkreises, posierte auf dem CDU-Parteitag 2024 demonstrativ mit einem „Bürokratie-Schredder“.
Im November 2023 schwächte ein Bündnis aus Lobbyisten, rechtspopulistischen Politikern und Konservativen das EU-Lieferkettengesetz ab. Rechtspolitiker und marktliberale Denkfabriken treiben weiterhin eine groß angelegte Deregulierung voran – vor allem im Interesse von Konzernen.
Trotz Reformforderungen bleiben Faxgeräte und strenge Vorschriften tief in der deutschen Verwaltung verankert. Schutzmaßnahmen wie die Abwehr von Umweltgefahren zeigen zwar die demokratische Funktion des Systems. Doch der Druck zur Bürokratieabbau hält an – vorangetrieben vor allem von Wirtschaftsverbänden.
