Beste Abiturnoten aller Zeiten – doch Hochschulen schlagen Alarm wegen mangelnder Studierfähigkeit
Franka KallertBeste Abiturnoten aller Zeiten – doch Hochschulen schlagen Alarm wegen mangelnder Studierfähigkeit
Deutsche Abiturienten erreichen bessere Noten als je zuvor – doch die Freude darüber trügt. Der bundesweite Notendurchschnitt hat sich seit 2006 von 2,5 auf heute 2,36 verbessert. Dennoch klagen Hochschulen, dass viele Studienanfänger nach wie vor grundlegende Fähigkeiten für ein erfolgreiches Studium vermissen lassen.
Walter Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), warnt vor einer schleichenden Noteninflation. Zu großzügig vergebene Spitzennoten weckten falsche Erwartungen und führten oft zu Frustration, wenn Studierende später mit den tatsächlichen akademischen Anforderungen konfrontiert würden, so Koch. Der DHV, der fast 34.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vertritt, stellt fest: Ein gutes Abiturzeuginis garantiere längst nicht mehr automatisch die Studierfähigkeit.
Die Hochschulen reagieren mit Brückenkursen in zentralen Fächern, um Wissenslücken zu schließen. Doch diese Programme stoßen an Kapazitätsgrenzen und können Defizite oft nur unzureichend ausgleichen. Dozenten beobachten immer wieder Mängel in den mathematischen Grundkenntnissen, im Textverständnis und in der schriftlichen Ausdrucksfähigkeit der Studierenden. Viele zeigen zudem weniger Bereitschaft, sich intensiv mit anspruchsvollen Texten auseinanderzusetzen.
Koch plädiert für eine Rückkehr zu strengeren Bewertungsmaßstäben, um die Glaubwürdigkeit des Abiturs zu bewahren. Er schlägt vor, die gesamte Notenskala konsequenter zu nutzen, um die tatsächliche Leistung widerzuspiegeln. Sein Ziel: Die Hochschulreife soll wieder ein verlässlicher Indikator für die Studienfähigkeit in ganz Deutschland sein.
Die Kluft zwischen Schulnoten und universitären Ansprüchen wird immer größer. Zwar bieten Brückenkurse eine gewisse Unterstützung, doch ihre Wirkung bleibt durch begrenzte Kapazitäten begrenzt. Kochs Forderung nach einer Reform zielt darauf ab, das Abitur enger an die realen Anforderungen eines Studiums anzupassen.






