Autobranche warnt vor EU-CO₂-Strafen: "Todesstoß für die Industrie"
Franka KallertIG Metall erwartet Arbeitsplatzrettung durch späteren Ausstieg aus Verbrennungsmotor - Autobranche warnt vor EU-CO₂-Strafen: "Todesstoß für die Industrie"
Führende Vertreter der deutschen Automobilbranche haben scharfe Kritik an den strengen CO₂-Strafen der EU und dem geplanten Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2035 geübt. Jörg Schlagbauer, Vorsitzender des Betriebsrats bei Audi, bezeichnete die Abgaben als "Todesstoß für die Industrie", während Horst Ott, Chef der IG Metall Bayern, warnte, dass eine Lockerung des Verbots Investitionen gefährden und Arbeitsplätze kosten könnte. Beide sind sich einig, dass die Elektromobilität die Zukunft prägen wird, streiten aber darüber, wie der Wandel sozial verträglich gestaltet werden kann.
Schlagbauer kritisierte das Strafensystem der EU für die Überschreitung der CO₂-Grenzwerte und forderte, die Gelder stattdessen in neue Technologien und Produktionsstandorte zu stecken. Er schlug vor, Investitionsauflagen an die Strafzahlungen zu knüpfen, um zu verhindern, dass das Geld als Dividenden an Aktionäre ausgeschüttet wird. Seine Position spiegelt die Sorge wider, dass die finanzielle Belastung die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie untergraben könnte.
Horst Ott setzte einen anderen Akzent und warnte davor, am Verbrenner-Verbot starr festzuhalten, wenn daduch Massenentlassungen drohen. Die Debatte um die Antriebstechnik bezeichnete er als "Glaubenskrieg" und schlug vor, Gewinne aus älteren Technologien für den Umstieg auf Elektrofahrzeuge zu nutzen. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Elektromobilität "die Hauptstraße" der Branche werden werde.
Ott warnte zudem, dass eine Aufweichung des 2035er-Verbots Planungsunsicherheit auslösen könnte, die Hersteller zum Überdenken ihrer Strategien zwingt – mit möglichen Jobabbau als Folge. Seine Aussagen decken sich mit denen von Martin Kimmich, Betriebsratschef bei BMW, der bestätigte, dass sich alle großen Automobilhersteller bereits stark auf die E-Mobilität eingelassen haben. Beide betonten, wie wichtig es ist, Umweltziele mit Arbeitsplatzsicherheit in Einklang zu bringen.
Der Streit zeigt die Spannungen zwischen Umweltschutzauflagen, wirtschaftlicher Stabilität und der Zukunft der Automobilbelegschaft in Deutschland. Zwar gilt die Elektromobilität als unausweichlich, doch die Branchenführer drängen auf politische Rahmenbedingungen, die Jobs schützen und sicherstellen, dass Strafgelder in Innovation fließen – statt an Aktionäre. Wie schnell und reibungslos der Sektor sich an die schärferen Emissionsvorgaben anpasst, könnte davon abhängen.






