Verbotener Gipfel schafft überraschend neue Kletterrouten in den Alpen
Franka KallertVerbotener Gipfel schafft überraschend neue Kletterrouten in den Alpen
Nicht alle Bergspitzen sind für Kletterer zugänglich – selbst in gut erschlossenen Gebirgen wie den Alpen. Manche Gipfel bleiben aus Sicherheitsgründen, religiösen Überzeugungen oder zum Schutz der Umwelt gesperrt. Doch manchmal schafft die Natur selbst neue Möglichkeiten – wie die frischen Kletterrouten, die nun in der Nähe eines verbotenen deutschen Berges entstehen.
Die Demelspitze, ein markanter Gipfel in den bayerischen Alpen, war einst ein beliebtes Ziel für Bergsteiger. Wegen ihrer charakteristischen Form wurde sie auch das "Matterhorn von Lenggries" genannt und zog jahrzehntelang Abenteurer an. Doch 2013 verhängten die Behörden ein generelles Kletterverbot, nachdem geologische Gutachten schwere Instabilitäten aufgedeckt hatten. Ein sich ständig vergrößernder Riss nahe dem Gipfelkreuz droht den Berg zum Einsturz zu bringen, und häufige Steinschläge machen das Gebiet extrem gefährlich.
Doch die Sperrung hat die Natur nicht davon abgehalten, die Landschaft neu zu gestalten. Durch herabstürzendes Gestein von der Demelspitze haben sich im nördlichen Waldgebiet neue Kletterrouten gebildet. Diese Wege variieren in ihrem Schwierigkeitsgrad, sind oft schattig und damit an heißen Tagen besonders reizvoll. Die steilen, langen Zustiege halten zudem die Massen fern und bieten denen, die abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs sind, eine ruhigere Herausforderung.
Die Demelspitze ist nicht der einzige unbestiegene Gipfel. Religiöse Überzeugungen schützen andere Berge wie den Kailash in Tibet oder den Machapuchare in Nepal, wo Klettern streng verboten ist. Selbst in den Alpen, wo alle Viertausender bereits bezwungen wurden, bleiben manche Zonen gesperrt. Nationalparks, Militärgebiete und ökologisch sensible Bereiche – etwa am Eiger oder im Mont-Blanc-Massiv – beschränken den Zugang zu bestimmten Routen.
Das Kletterverbot für die Demelspitze besteht weiterhin, und ihr Gipfelkreuz könnte jeden Moment einstürzen. Gleichzeitig bieten die neu entstandenen Routen in der Nähe eine Alternative für abenteuerlustige Bergsteiger. Während einige Gipfel aus kulturellen oder Sicherheitsgründen weiterhin tabu bleiben, bleibt die Welt der Berge ein Balanceakt zwischen Zugänglichkeit und Erhalt.