Theater hinter Gittern: Wie DNA in der Wiesbadener JVA Leben verändert
Franka KallertTheater hinter Gittern: Wie DNA in der Wiesbadener JVA Leben verändert
Ein kraftvolles Theaterstück in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden
Letzte Woche fand in der Jugendstrafanstalt Wiesbaden eine beeindruckende Theateraufführung statt. Rund 80 Zuschauer versammelten sich, um DNA zu sehen – ein Stück, das die dunklen Seiten von Gruppendynamik unter Jugendlichen erkundet. Die Vorstellung endete mit donnerndem Applaus, Stampfen und "Bravo!"-Rufen aus dem Publikum.
Die einzigartige Studiobühne der Anstalt – Deutschlands erstes und einziges festes Theater in einer Justizvollzugsanstalt – war Schauplatz des Ereignisses. Seit über einem Jahrzehnt bietet dieses Programm Inhaftierten die Möglichkeit, sich im Rahmen ihrer Resozialisierung künstlerisch zu betätigen.
Die diesjährige Produktion, DNA von Dennis Kelly, wurde unter der Regie von Matze Vogel aufgeführt. Das Stück thematisiert, wie Gruppenzwang und kollektives Verhalten unter Jugendlichen in Gewalt umschlagen können. Fast 20 Häftlinge bewarben sich für Rollen, doch nur neun wurden als Schauspieler ausgewählt, während zwei weitere für Licht, Ton und Bühnenmanagement verantwortlich waren.
Einer der Darsteller, der sich nur als J. vorstellte, beschrieb die Erfahrung als befreiend: "Theater lässt mich Freiheit spüren." Ein weiterer Schauspieler, E., erklärte, dass es ihm helfe, durch das Hineinschlüpfen in eine Rolle die eigenen Emotionen zu verarbeiten. B., der technische Leiter, bediente nicht nur die Technik, sondern komponierte auch Teile der Aufführungsmusik. Er sprach von dem Stolz, kreativ mitwirken zu können.
Nathalie Meyer, die Kostümbildnerin, arbeitet seit zehn Jahren an dem Projekt mit. Sie sorgt dafür, dass die Schauspieler bei Kostümen und Bühnenbild mitgestalten – das gibt ihnen ein Gefühl von Eigenverantwortung. Nach dem Schlussapplaus kehrten Darsteller und Team mehrfach auf die Bühne zurück, um den begeisterten Reaktionen des Publikums zu begegnen.
Das Theater in der Wiesbadener JVA ist mehr als ein künstlerisches Ventil – es ist Teil des Resozialisierungsprozesses. Das Programm soll Häftlingen helfen, soziale Verantwortung für ihr Leben nach der Entlassung zu entwickeln. Jedes Jahr wird eine Produktion einstudiert und aufgeführt, wobei alle zehn Vorstellungen innerhalb weniger Tage nach Ticketstart ausverkauft sind.
Die Aufführung war ein weiterer Erfolg für die langjährige Theaterinitiative der Anstalt. Die beteiligten Inhaftierten erwerben Fähigkeiten in Teamarbeit, Disziplin und Selbstausdruck. Mit einer eigenen Bühne und wachsendem Renommee bietet das Programm eine seltene Chance für persönliche Entwicklung hinter Gittern. Die nächste Produktion ist bereits in Planung, die Vorsprechen werden für später in diesem Jahr erwartet.






