Streit um Abriss und Neubauten in der Kemptener Rottach-Siedlung spaltet Stadt
Katarina OrtmannStreit um Abriss und Neubauten in der Kemptener Rottach-Siedlung spaltet Stadt
Die Pläne zur Neugestaltung der Rottach-Siedlung in Kempten haben eine hitzige Debatte im Stadtrat ausgelöst. Die Wohnungsbaugenossenschaft Sozialbau plant, ältere Gebäude abzureißen und neue Wohnungen zu errichten – doch Anwohner und lokale Politiker sind über die Auswirkungen des Projekts gespalten.
Der Streit entbrannte, nachdem Sozialbau 2024 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) 170 Wohnungen in der Siedlung übernommen hatte. Die Genossenschaft will nun die veralteten Bauten durch modernen Wohnraum ersetzen. Den Anfang machen Neubauten in der Rottachstraße 22–24, bevor ab etwa 2030 die großflächigen Abrissarbeiten beginnen sollen.
Mieter äußern Bedenken wegen steigender Mieten und der drohenden Vertreibung aus ihren Wohnungen. Ein Bewohner, der kürzlich in die Sanierung seiner Wohnung investiert hat, fürchtet, diese Aufwendungen zu verlieren, falls die Häuser abgerissen werden. Andere argumentieren, dass der Erhalt der bestehenden Wohnungen Verdrängung verhindern und bezahlbaren Wohnraum sichern würde.
Im Stadtrat gehen die Meinungen auseinander. Franz Josef Natterer-Babych (UB/ÖDP) kritisierte die Pläne scharf und warnte, dass eine höhere Bebauungsdichte die Lebensqualität im Viertel beeinträchtigen werde. Ingrid Vornberger (SPD) hingegen forderte mehr Wohnraum und drängte die Stadt, die verfügbaren Flächen in der Siedlung zu nutzen, um die Nachfrage zu decken. Allein bei Sozialbau stehen derzeit 2.500 Menschen auf der Warteliste für bezahlbare Wohnungen – ein deutlicher Hinweis auf den Druck für Neubauprojekte.
Wie viele der ursprünglichen BImA-Wohnungen noch in der Siedlung verbleiben, ist Stand April 2026 unklar. Von den einst 290 Einheiten wurden die meisten verkauft oder übertragen; die verbleibenden sind über Blöcke wie Rottachstraße 1–21 verstreut.
Die Umgestaltung schreitet voran: Die ersten Bauarbeiten beginnen in der Rottachstraße 22–24, während der großflächige Abriss für etwa 2030 geplant ist. Die Anwohner leisten weiterhin Widerstand, aus Sorge vor höheren Kosten und Verdrängung. Die Entscheidung des Stadtrats wird nicht nur die Wohnraumsituation, sondern auch den Charakter des Viertels langfristig prägen.






