Podcast-Werbung entfacht Streit: Steingarts Kritik spaltet die Medienbranche
Klaas BarthPodcast-Werbung entfacht Streit: Steingarts Kritik spaltet die Medienbranche
Eine Debatte über Werbung in Podcasts ist entbrannt, nachdem der Journalist Gabor Steingart Medienvertreter dafür kritisiert hatte, in ihren Sendungen Werbetexte vorzulesen. Er warf ihnen vor, gegen den Pressekodex zu verstoßen, da solche Werbeeinblendungen die Grenze zwischen redaktionellem Inhalt und Werbung verwischten. Die Auseinandersetzung spaltet die Meinungen: Manche nennen seine Haltung "ehrenwert", andere tun sie als "wirr" ab.
In seinem Morning Briefing-Podcast spielte Steingart Audioausschnitte bekannter Journalisten und Moderatoren ab, die Produkte oder Dienstleistungen bewarben. Besonders kritisierte er den OMR-Podcast von Philipp Westermeyer, dem er vorwarf, Werbung nicht deutlich genug zu kennzeichnen. Zudem stellte Steingart infrage, ob solche Praktiken mit den ethischen Standards des Deutschen Pressekodex vereinbar seien.
Der Deutsche Presserat hat jedoch nach eigenen Angaben noch nie "von Moderatoren gesprochene Werbung" in Podcasts geprüft. Das deutet darauf hin, dass das Thema in den aktuellen Medienrichtlinien nicht geregelt ist. Steingarts eigenes Medium, The Pioneer, beteiligt sich zudem nicht am freiwilligen Selbstkontrollsystem des Presserats.
Zu den Kritikern von Steingarts Position gehört Dagmar Rosenfeld, deren Podcast Machtwechsel von Werbeeinnahmen abhängt. Sie verteidigte das Modell und betonte, dass Werbekunden keinen Einfluss auf ihre Inhalte hätten. Laut öffentlichen Berichten wie der BDZV-Studie 2023 und Daten des Deutschen Podcast Verbands setzen seit 2020 mindestens zwölf große Medienhäuser und Podcasts – darunter ZEIT Audio, Lage der Nation, Deutschlandfunk Nova und Fest & Flauschig – auf moderierte Werbung als nachhaltige Finanzierungsquelle für Journalismus.
Steingart bot später an, die Angelegenheit mit Journalisten zu diskutieren, die seiner Meinung widersprechen. Die Reaktionen aus der Branche fallen gemischt aus: Einige loben seine kritische Haltung, andere weisen sie als unrealistisch oder fehleinschätzend zurück.
Der Streit verdeutlicht die wachsende Spannung zwischen traditioneller Presseethik und modernen Monetarisierungsstrategien im Podcast-Bereich. Während die einen betonen, dass moderierte Werbung essenziell für die Finanzierung unabhängigen Journalismus sei, bestehen andere auf einer strikten Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung. Die Debatte bleibt ungelöst – ohne formelle Stellungnahme des Presserats zu diesem Thema.






