21 March 2026, 20:17

Kultur-Eklat in Berlin: Warum das HKW nach Chefket-Absage in der Krise steckt

Schwarze und weiße Zeichnung des Reichshallen Theaters in Berlin, die das Auditorium mit Sitzreihen, Säulen und einer Decke zeigt, mit Text unten.

Kultur-Eklat in Berlin: Warum das HKW nach Chefket-Absage in der Krise steckt

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht nach der Absage eines Konzerts des deutschen Rappers Chefket im Zentrum einer Kontroverse. Die Entscheidung fiel nach Druck des Kulturministers Wolfram Weimer, der sich an der Kleidung des Künstlers störte – einem T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina", arabischer Kalligrafie und einer Umrisszeichnung Israels. Die Absage hat inzwischen zu einem Boykott anderer deutscher Künstler aus Solidarität mit Chefket geführt.

Der Vorfall verschärft die ohnehin bestehenden Herausforderungen für die Institution, die trotz ihrer prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts um ihre globale Relevanz kämpft.

Chefket, bekannt für seine politischen Texte, war vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt worden. Sein geplanter Auftritt im HKW wurde am 7. Oktober kurzfristig abgesagt – ausgerechnet am Jahrestag des Hamas-Angriffs auf Israel. Ausschlaggebend war sein umstrittenes T-Shirt, das von offiziellen Stellen als unangemessen bewertet wurde.

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Als Reaktion haben sich sämtliche anderen eingeladenen deutschen Künstler von Auftritten im HKW zurückgezogen. Der Boykott unterstreicht die wachsenden Spannungen zwischen Kultureinrichtungen und politischer Einflussnahme. Gleichzeitig gastieren im HKW weiterhin internationale Acts, darunter kürzlich der haitianische Saxophonist Jowee Omicil.

Die Führung des HKW steht seit 2023 unter Beobachtung, als der kamerunische Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung als erster schwarzer Intendant die Leitung übernahm. Sein "postkoloniales" Programm stieß in Teilen der deutschen Kulturszene auf Kritik, ohne dass es bis dahin zu einem größeren Eklat gekommen wäre – bis jetzt. Die Krise der Institution wurde zusätzlich durch eine Ausstellung des Satirikers Jan Böhmermann mit dem Titel "Die Möglichkeit der Unvernunft" verschärft, die auf ihren schwindenden Einfluss aufmerksam machte.

Trotz der Nähe zu Regierungsgebäuden erhält das HKW kaum Unterstützung aus der Bundespolitik. Die aktuelle Kontroverse droht seinen Ruf weiter zu beschädigen – besonders nach Weimers Intervention und den Folgen von Böhmermanns provokanter Schau.

Die Absage von Chefkets Konzert löste eine Welle von Absagen deutscher Künstler aus. Ohne eine klare Lösung in Sicht wirft der Vorfall grundsätzliche Fragen zur politischen Meinungsfreiheit in staatlich geförderten Kulturräumen auf. Das HKW sieht sich nun vor der Aufgabe, Vertrauen zurückzugewinnen und gleichzeitig seine Rolle als erste große deutsche Kultureinrichtung unter ausschließlich nicht-weißer Leitung zu definieren.

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