Kölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Stadttore vor dem Verfall
Claudius StadelmannKölner Karnevalsvereine retten mittelalterliche Stadttore vor dem Verfall
Zwei der letzten vier mittelalterlichen Stadttore Kölns gehören heute Karnevalsgesellschaften. Das Hahnentor und das Severinstor, beide jahrhundertealte Bauwerke, verdanken ihre Erhaltung lokalen Vereinen, die sich um ihren Unterhalt kümmern. Diese Gruppen pflegen nicht nur die Gebäude, sondern halten innerhalb ihrer Mauern auch die Traditionen lebendig.
Die "Roten Funken" und die "Blauen Funken", zwei der ältesten Karnevalsvereine der Stadt, haben eine Schlüsselrolle bei der Restaurierung Teile der historischen Wehranlagen gespielt. Dank ihres Engagements bleiben Wahrzeichen wie das 21 Meter hohe Hahnentor erhalten – und dienen zugleich als Mittelpunkt für Feierlichkeiten.
Das Severinstor, auch Ulrepforte genannt, liegt im Kölner Innenstadtbezirk und ist Sitz der "Roten Funken". Diese Karnevalsgesellschaft blickt auf eine Tradition zurück, die bis zu den Soldaten des 17. bis 19. Jahrhunderts reicht, und verbindet Geschichte mit Humor. Bei Karnevalssitzungen führen die Mitglieder parodistische Tänze auf, die militärische Exerzierübungen der Vergangenheit persiflieren.
Gleich in der Nähe beherbergt das Hahnentor seit 1902 die Kölner EhrenGarde. Der 1814 nach der französischen Besatzung gegründete Verein widmet sich dem Karneval, dem Tanz und reitervorführungen. Der bereits vor dem 19. Jahrhundert erbaute Turm ist heute Symbol für kulturelles Erbe und Festfreude gleichermaßen.
Die "Blauen Funken" gingen 1870 während eines Rosenmontagszugs aus den "Roten Funken" hervor. Ihr überraschender Auftritt im Umzug sicherte ihnen eine dauerhafte Führungsrolle in der Veranstaltung. Die Prinzengarde, auch "Mählsack" genannt, begleitet unterdessen den Karnevalsprinzen, die dritthöchste Figur im Festgeschehen.
Durch die Restaurierung der Türme und Tore haben diese Vereine verfallene mittelalterliche Bauwerke vor dem Zerfall bewahrt. Ihre ganzjährige Pflege erhält die Mauern, während ihre Bräuche aus kaltem Stein lebendige Orte für die farbenfrohsten Feste der Stadt machen.
Die Arbeit der Karnevalsgesellschaften hat Kölns mittelalterliche Tore vor dem Verfall gerettet. Bauwerke wie das Hahnentor und das Severinstor erfüllen heute einen doppelten Zweck: Sie sind historische Denkmäler und zugleich aktive Zentren für die berühmten Feiern der Stadt. Ohne diese Vereine wären Teile der alten Wehranlagen wohl für immer verschwunden.






