Jesidischer Azubi in Bayern muss zwischen Familie und Ausbildung wählen
Klaas BarthJesidischer Azubi in Bayern muss zwischen Familie und Ausbildung wählen
Ein 17-jähriger jesidischer Auszubildender in Bayern steht vor einer unmöglichen Entscheidung: seine Lehre als Fahrradmechatroniker fortsetzen oder bei seiner Familie bleiben. Matin P. kam 2020 nach Deutschland, nachdem er sechs Jahre zuvor vor dem Völkermord des IS geflohen war. Nun fordern die bayerischen Behörden von seinen Eltern, das Land zu verlassen – oder riskieren damit seine berufliche Zukunft.
Der Fall hat Kritik von Aktivisten und Politikern ausgelöst. Der Bayerische Flüchtlingsrat bezeichnet das Vorgehen der Behörden als "Erpressung". Trotz der anhaltenden Verfolgung von Jesiden im Irak bestehen die Beamten auf Abschiebungen selbst bei gut integrierten Familien wie den P.s.
Die Familie P. suchte 2020 in Deutschland Schutz, in der Hoffnung, der Gewalt des IS-Völkermords von 2014 entkommen zu sein. Matin P. begann eine Ausbildung in einem Mangelberuf – der Fahrradmechatronik –, der während der COVID-19-Pandemie als systemrelevant eingestuft wurde. Seine Lehre bot ihm Stabilität, doch die Ausländerbehörde stellte ihn vor ein Ultimatum: Er dürfe seine Ausbildung nur fortsetzen, wenn sich seine Eltern bereit erklärten, Deutschland zu verlassen.
Der Bayerische Flüchtlingsrat verurteilte dieses Angebot als zwingend und argumentierte, es nötige einen Jugendlichen, seine Familie für seine berufliche Zukunft aufzugeben. Matin P. lehnte das Angebot ab und entschied sich, zu seinen Eltern zu stehen. Unterdessen bleibt die bayerische Landesregierung unnachgiebig und treibt die Abschiebungspläne voran – trotz Einsprüchen von Ehrenamtlichen, lokalen Persönlichkeiten und politischen Gruppen.
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bestätigt, dass Jesiden im Irak weiterhin schwerer Verfolgung und unsicheren Bedingungen ausgesetzt sind. Dennoch gibt es keine offiziellen Statistiken darüber, wie viele jesidische Familien in Bayern seit 2023 getrennt wurden – oder mit Trennung gedroht wurde. Zwar sind Einzelschicksale wie das der Familie P. dokumentiert, doch umfassende Daten fehlen.
Als Reaktion auf die Krise haben die Grünen und die Linke im Bundestag Gesetzentwürfe vorgelegt, um Aufenthaltsrechte für jesidische Geflüchtete zu sichern. Die bayerischen Behörden haben Forderungen nach mehr Milde jedoch bisher zurückgewiesen und lassen Familien wie die P.s in der Schwebe.
Matin P. steht nun vor einer ungewissen Zukunft, zerrissen zwischen seiner Ausbildung und dem Überleben seiner Familie. Die Haltung der bayerischen Landesregierung bleibt unverändert – trotz der nachgewiesenen anhaltenden Verfolgung im Irak und öffentlicher Empörung. Ohne rechtlichen Schutz oder aktuelle Statistiken könnten auch andere jesidische Familien in ähnlichen Situationen weiter von Trennung bedroht sein.