"Heimat": Wie ein Restaurantname zum politischen Zankapfel wurde
Claudius Stadelmann"Heimat": Wie ein Restaurantname zum politischen Zankapfel wurde
Ein Mainzer Restaurant namens Heimat ist in den letzten Monaten zum Zentrum eines erbitterten Streits geworden. Besitzer Veli Ivecen und sein Team sehen sich seitdem unerbittlicher Feindseligkeit wegen des Namens ihres Lokals ausgesetzt – obwohl dieser eigentlich harmlos gemeint war. Was als Ort für gemeinsame Mahlzeiten begann, ist zu einem Schauplatz politischer Anschuldigungen geworden.
Veli Ivecen, in der Türkei geboren und kurdischer Abstammung, eröffnete Heimat, um eine Mischung aus deutscher, türkischer und kurdischer Küche anzubieten. Der Name sollte einladend wirken, ein Zuhause für Gäste sein und eine Hommage an seine Wahlheimat – nicht aber eine politische Aussage. Doch das Wort Heimat hat sowohl bei links- als auch bei rechtsextremen Gruppen Empörung ausgelöst.
Die Angriffe gehen längst über Online-Kritik hinaus. Ivecen und seine Mitarbeiter erleben verbale Beschimpfungen, werden mit Hassnachrichten auf privaten Instagram-Accounts überflutet und erhalten aggressive E-Mails. Demonstranten haben sie im Restaurant konfrontiert, andere zeigten vor der Tür Hitlergrüße. Die Fassade wurde sogar mit dem Slogan „Das hier ist mein Zuhause, nicht deins“ beschmiert – eine Parole, die Ivecen später entfernen ließ.
Einige Kritiker stellen zudem infrage, ob türkische und kurdische Küche überhaupt in die deutsche Esskultur gehöre. Ivecen nimmt sachliche Rückmeldungen zu seinen Gerichten an, bezeichnet die persönlichen Angriffe jedoch als inakzeptabel. Anfangs dachte er darüber nach, das Restaurant umzubenennen, um den Anfeindungen ein Ende zu bereiten. Doch mittlerweile ist er entschlossener denn je, den Namen beizubehalten.
Die Kontroverse hat Ivecen in einen politischen Konflikt hineingezogen, den er nie gesucht hat. Statt eines neutralen Ortes zum Essen ist Heimat zum Zankapfel der Spaltung geworden. Vorerst bleibt das Restaurant geöffnet, der Name unverändert – während der Besitzer sich gegen den Gegenwind stellt.






