Grimme Online Award 2026: Skandal um Preisrückgabe erschüttert Festival in Essen
Katarina OrtmannGrimme Online Award 2026: Skandal um Preisrückgabe erschüttert Festival in Essen
25. Grimme Online Award: Festival in Essen von Eklat überschattet
Zum ersten Mal fand das 25. Grimme Online Award-Festival (GOA) in diesem Jahr im ehemaligen Colosseum Musical Theater in Essen statt. Doch die Veranstaltung wurde von einem Skandal überschattet, nachdem zwei preisgekrönte Filmemacher ihre Auszeichnung aus Protest zurückwiesen. Der Streit begann, als eine unabhängige Fördergruppe der Aktivistin Judith Scheytt den Preis wieder entzog – was eine hitzige öffentliche Debatte auslöste.
Am 10. März 2026 gab der Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises – eine vom Grimme-Institut unabhängige Organisation – bekannt, Scheytts Auszeichnung zurückzuziehen. Der Beschluss folgte auf umstrittene Äußerungen der Aktivistin zu Migration und Islam. Die Reaktionen fielen sofort und gespalten aus: Konservative Stimmen, darunter Anhänger der AfD, lobten den Schritt als Widerstand gegen "linke Zensur", während progressive Kritiker der Gruppe vorwarfen, Kultur zu politisieren. Hashtags wie #GrimmeSkandal trendingten, und die Medienlage war gespalten: FAZ und Bild sprachen von einer Überreaktion, Spiegel und Zeit verteidigten die Rücknahme.
Bei der GOA-Verleihung bezogen die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block öffentlich Stellung. Nach der Annahme ihres eigenen Preises stellten sie die Trophäe auf die Bühne und verließen den Saal. Block bezeichnete die Aberkennung später als "massiven Angriff auf die Unabhängigkeit der Jury", während Riesewieck der Grimme-Direktorin Çiğdem Uzunoğlu vorwarf, sich der Verantwortung zu entziehen.
Uzunoğlu konterte, die Entscheidung des Vereins sei "formell inkorrekt". Sie kündigte eine künftige Debatte über den Vorfall an und will das Institut von der Fördergruppe distanzieren. Trotz des Eklats wurden weitere Preisträger gefeiert, darunter Projekte wie Femizide stoppen (zu Femiziden), Barrierebrecher (zu Behindertenrechten) und das Spiel Herbst 89 (über den Mauerfall). Auch gesundheitsbezogene Formate wie Little Monsters (zu psychischer Gesundheit) und Gynaekollege (zu Gynäkologie) erhielten Auszeichnungen.
Das Festival markierte Essens Debüt als möglicher dauerhafter Austragungsort des GOA – doch die Scheytt-Affäre dominierte die Diskussionen. Das Grimme-Institut steht nun unter Druck, sein Verhältnis zur Fördergruppe zu klären. Unterdessen hält die Debatte über Meinungsfreiheit, die Integrität von Preisen und politischen Einfluss auf die Kultur an.