23 April 2026, 14:33

Genderfluide Identität auf der Bühne: Wie Kim de l'Horizons Roman in Berlin lebendig wird

Eine farbenfrohe Papierreproduktion, die die Phasen des Lebens von der Kindheit bis zum Alter zeigt, mit fetter Schrift und detaillierten Elementen.

Genderfluide Identität auf der Bühne: Wie Kim de l'Horizons Roman in Berlin lebendig wird

Eine mutige Bühnenadaption von Kim de l'Horizons preisgekröntem Debütroman feiert Premiere vor ausverkauftem Haus im Berliner Vaganten Bühne in Charlottenburg. Das Stück, basierend auf einem Buch, das 2022 sowohl den Deutschen als auch den Schweizer Buchpreis gewann, taucht ein in die Themen Trauma, Identität und die Suche nach Selbstakzeptanz – erzählt aus einer genderfluiden Perspektive.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Geschichte folgt Kim, einer Erzählerin, die von drei Schauspieler:innen verkörpert wird – Julian Trostorf, Annemie Twardawa und Emma Zeisberger –, die jeweils unterschiedliche Facetten ihrer fragmentierten Identität darstellen. Ihre Reise beginnt mit der Demenz ihrer Großmutter, die sie dazu drängt, vergrabene Familiengeschichten aufzudecken. Das Stück verwebt transgenerationale Traumata, von erzwungenen Abtreibungen und Massenvergewaltigungen bis hin zu verlassen Kindern, die auf den Recherchen von Kims Mutter basieren.

Die Bühne ist geprägt von eindringlichen Symbolen: zerrissene, beige Strumpfhosen hängen von der Decke, beschwert mit Sand und Bällen. Ein Blutbuchenbaum, gepflanzt von Kims Urgroßvater, wird zum Rückzugsort für das Kind, das sie einst waren. Während sich die Handlung entfaltet, navigiert Kim durch ihren Körper und ihre Identität – wirklich präsent fühlen sie sich nur, wenn sie sich in der Welt aus Sex und Nachtleben hingibt, oft durch Begegnungen auf Grindr.

Der Höhepunkt kommt, als die drei Schauspieler:innen das "Große Meer" zur Ruhe betten – ein kraftvoller Moment, der das Ende des Schweigens markiert. In neunzig Minuten verwandelt die Aufführung Scham in eine schonungslose Erkundung von Zugehörigkeit in einem genderfluiden Körper.

Die Premiere stellt einen bedeutenden Moment für die Vaganten Bühne dar: Das Publikum reagiert auf die kompromisslose Auseinandersetzung mit Trauma und Heilung. Indem das Stück langes Schweigen bricht, schafft es einen Raum zur Reflexion darüber, wie Identität durch Geschichte und den Körper geprägt wird. Die ausverkaufte Vorstellung zeigt, wie sehr Zuschauer:innen nach Geschichten verlangen, die herausfordern und berühren.

Quelle