Europas Tech-Branche kämpft um digitale Souveränität gegen US-Cloud-Riesen
Klaas BarthEuropas Tech-Branche kämpft um digitale Souveränität gegen US-Cloud-Riesen
Europäische Tech-Unternehmen drängen auf heimische Alternative zu US-dominierten Cloud-Diensten
Auf dem jüngsten Nextcloud Summit warnten Branchenführer vor Risiken für den Datenschutz und forderten stärkere, von der EU unterstützte Lösungen. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Bedenken hinsichtlich des Zugriffs US-amerikanischer Geheimdienste und der Marktmonopole großer Technologiekonzerne.
Frank Karlitschek, CEO von Nextcloud, hatte das Unternehmen 2016 nach der Abspaltung vom Owncloud-Projekt gegründet. Auf dem Gipfel betonte er, dass Software zunehmend politisch werde – mit Verweis auf Maßnahmen der US-Regierung und unzureichende Datenschutzstandards. Zu den von ihm genannten Risiken zählen die Schwächen des US-EU-Datenschutzrahmens, die Vormachtstellung der Hyperscaler sowie mögliche Spionage durch US-Geheimdienste.
Nextcloud und Ionos entwickeln gemeinsam Nextcloud Workspace, eine sichere Alternative zu Microsoft 365. Die für 2025 geplante Lösung basiert auf Nextcloud Hub 10, das mit Talk eine Open-Source-Alternative zu Microsoft Teams bietet. Talk integriert zudem KI-Tools, die lokal betrieben werden und so die Datenhoheit in Europa sichern.
Die grüne Europaabgeordnete Alexandra Geese unterstützte die Forderung nach einer souveränen europäischen Cloud. Sie plädierte dafür, bei öffentlichen Ausschreibungen Anbieter mit Sitz in der EU zu bevorzugen. Die Wettbewerbsrechtsexpertin Christina Caffara unterstrich diesen Appell und bezeichnete Europa als "Kolonie der USA" – sie forderte strukturelle Reformen mit Rückendeckung der EU.
Die Eurostack-Initiative, getragen von Ionos und Nextcloud, zielt darauf ab, die Abhängigkeit von US-Techgiganten zu verringern. Ihr Ziel ist eine vollständig souveräne digitale Infrastruktur für europäische Unternehmen.
Das Nextcloud Workspace-Projekt markiert einen Schritt in Richtung digitaler Unabhängigkeit der EU. Mit lokalen KI-Lösungen und sicheren Kollaborationstools richtet es sich an Unternehmen, die US-Datenzugriffe kritisch sehen. Bei Erfolg könnte die Initiative öffentliche Aufträge und Marktstrukturen im europäischen Technologiesektor nachhaltig verändern.






