Erlangen verbietet "sexistische" Partyhits beim Bergkirchweih – doch Wirte zweifeln an der Wirkung
Klaas BarthErlangen verbietet "sexistische" Partyhits beim Bergkirchweih – doch Wirte zweifeln an der Wirkung
Erlangens Stadtverwaltung hat klassische Partyhits auf eine Liste „sexistischer“ Lieder gesetzt, die beim diesjährigen Bergkirchweih-Volksfest gemieden werden sollen. Der Schritt folgt einer Beschwerde einer Frau, die sich bei früheren Veranstaltungen aufgrund aggressiven Verhaltens und entsprechender Songtexte unsicher gefühlt hatte. Wirte zeigen sich jedoch skeptisch, ob die Einschränkungen Wirkung zeigen – oder vielmehr die Festivalstimmung trüben werden.
Die Entscheidung geht auf einen Beschluss des Stadtrats aus dem Jahr 2021 zurück, den CSU, Linke und SPD gemeinsam trugen. Damals wurden Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beim Bergkirchweih verurteilt. Nachdem eine Frau berichtete, von Männern begrapscht worden zu sein und sich durch die Musik unwohl gefühlt zu haben, prüften die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, eine Liste „problematischer Partysongs“. Titel wie Skandal im Sperrbezirk sowie Stücke von Mickie Krause und Peter Wackel landeten schließlich auf der schwarzen Liste.
Ein rechtliches Verbot der Lieder gibt es nicht – die Stadt setzt stattdessen auf die Zusammenarbeit mit den Wirten, die oft auf das Wohlwollen der Kommune bei Genehmigungen angewiesen sind. Viele Gastwirte reagieren jedoch mit Zweifel: Ob die Maßnahmen das Verhalten ändern oder nur die Festlaune dämpfen, bleibt fraglich.
Auch Künstler wehren sich. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit der DDR und merkte an, selbst das SED-Regime habe seiner Band nie Textzensur abverlangt. Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile „Du geile Sau“ enthält, kritisierte die wachsenden Einschränkungen: Immer mehr Künstler hätten „null Bock“, in Deutschland aufzutreten.
Ziel der Liste ist es, anstößige Inhalte zu reduzieren und die Sicherheit beim Bergkirchweih zu erhöhen. Die Wirte stehen unter Druck, sich anzupassen – doch direkte Durchsetzungsmacht hat die Stadt nicht. Währenddessen diskutieren Musiker und Festbesucher weiter über das Spannungsfeld zwischen Tradition und sich wandelnden gesellschaftlichen Erwartungen.






