Deutsche Bahn kämpft mit Stillstand, Führungswechsel und wachsendem Wettbewerb
Franka KallertDeutsche Bahn kämpft mit Stillstand, Führungswechsel und wachsendem Wettbewerb
Deutschlands Bahnsystem steht diese Woche vor neuen Herausforderungen. Ein schwerwiegender Ausfall legte den Zugverkehr lahm, während die Deutsche Bahn mit Führungswechseln und Projektverzögerungen kämpft. Gleichzeitig bereitet sich die Branche auf wachsenden Wettbewerb in den kommenden Jahren vor.
Am Dienstagabend führte ein Defekt im Zugfunk zu einem landesweiten Stillstand des Schienenverkehrs. Tausende Reisende saßen fest, als Züge im gesamten Land zum Stehen kamen.
Bei der Deutschen Bahn zeichnen sich derweil personelle Veränderungen ab. Medienberichten zufolge soll Volkswagen-Manager Michael Obrowski die Position des Finanzvorstands übernehmen. Er löst Karin Dohm ab, die das Amt nach nur vier Monaten verließ. Vorstandschefin Evelyn Palla gerät unter Druck vom Aufsichtsrat, insbesondere wegen ihrer Umstrukturierungspläne, die massive Einsparungen und eine Dezentralisierung der Verantwortlichkeiten vorsehen.
Auch das Großprojekt Stuttgart 21 erleidet einen weiteren Rückschlag: Die Fertigstellung wird nun erst für Ende 2031 erwartet – fünf Jahre später als ursprünglich geplant. Als Gründe für die Verzögerung gelten mangelhafte Planung und die Komplexität der Digitalisierung.
Mittelfristig bereitet sich der italienische Betreiber Italo auf den Einstieg in den deutschen Markt vor. Ab 2028 plant das Unternehmen, 30 Hochgeschwindigkeitszüge auf wichtigen Fernstrecken in Betrieb zu nehmen. Dies könnte die Fähigkeit der Deutschen Bahn schwächen, regionale Verbindungen durch Gewinne aus ihren Premiumverbindungen zu finanzieren.
Die Bahnbranche steht am Scheideweg. Die Deutsche Bahn muss akute Betriebsstörungen und Führungsprobleme bewältigen, während sie gleichzeitig langfristige Infrastrukturprojekte vorantreibt. Der Markteintritt von Italo im Jahr 2028 wird das ohnehin belastete System zusätzlich unter Druck setzen.
