29 June 2026, 18:37

50. Klagenfurter Literatur-Tage: Preise, Proteste und gesellschaftliche Debatten

Gegen alles in Frontalopposition

50. Klagenfurter Literatur-Tage: Preise, Proteste und gesellschaftliche Debatten

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Preise, Debatten und gesellschaftskritische Stimmen

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Bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt wurden zahlreiche Nachwuchsautor:innen ausgezeichnet. Die Veranstaltung bot nicht nur eine Bühne für literarische Entdeckungen, sondern löste auch Diskussionen über wirtschaftliche Zusammenhänge und die Literaturbranche aus. Mehrere Schriftsteller:innen wurden für ihre vielschichtigen und fesselnden Texte gewürdigt.

Den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis erhielt Schaette für ihren Text „Was wir tragen“, eine Erzählung über zwei übergewichtige Schulmädchen, die nach gesellschaftlicher Ausgrenzung ihre Unsichtbarkeit als Schutzraum annehmen.

Der Deutschlandfunk-Preis ging an Ozan Zakariya Keskinkılıç für „Vater ohne Sohn“, die Geschichte eines schwulen Vaters, der zwischen der Vernachlässigung seines Kindes und der Ablehnung durch seinen engsten Freund zerrieben wird. Kinga Tóth wurde mit dem KELAG-Preis für ihren sprachlich präzisen und mehrschichtigen Stil ausgezeichnet. Ihr Text zeichnet den Alltag eines „Ostblock-Mädchens“ zwischen Demütigungen und Überlebenskampf nach.

Den kleinsten der Preise, den 3sat-Preis, erhielt Magdalena Schrefel für „Kirschen, Herz in der Schlinge“, eine Auseinandersetzung mit der eigenen Brustkrebsdiagnose und der Schwierigkeit, offen darüber zu sprechen. Slata Roschals Lesung hingegen berührte zunächst das Thema Prekariat, lenkte dann jedoch den Fokus auf die literarische Institution selbst. Nach ihrem Auftritt kündigte sie an, die Bühne sofort zu verlassen – eine demonstrative Weigerung, sich mit der Jury auseinanderzusetzen, die sie als Teil eines kritikwürdigen Systems sieht.

In diesem Jahr bestand die siebenköpfige Jury ausschließlich aus Frauen. Verweise auf Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ – etwa die Szene, in der Gott an einem schwülen Sommertag auf der Anklagebank sitzt – durchzogen die Veranstaltung. Wirtschaftliche Fragen prägten die Debatten der Jury und beeinflussten die Bewertung der Beiträge maßgeblich.

Das Festival präsentierte ein breites Spektrum kraftvoller Erzählungen und entfachte Diskussionen über die Rolle der Literatur in der Gesellschaft. Während einige Autor:innen für ihr Werk gewürdigt wurden, nutzten andere die Plattform, um etablierte Normen infrage zu stellen. Die Verleihungen und Kontroversen unterstrichen einmal mehr die Bedeutung der Klagenfurter Tage für die zeitgenössische deutschsprachige Literaturszene.

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